08. August 2021

Liebe BDFA-Mitglieder, liebe Filmfreunde,

auch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie hat unser Verband seine Wettbewerbssaison erfolgreich online abschließen können. Die 79. Deutschen Filmfestspiele 2021 des BDFA (DAFF) sind mit dem Höhepunkt einer virtuellen Preisverleihung am 1. August zu Ende gegangen. Im Film-Café des Herzog-Filmtheaters Schrobenhausen fand der BDFA die passende Location für das cineastische Finale. Ein feierlicher Abschluss des Wettbewerbsjahres mit einer spannenden, einstündigen DAFF-Show zu Ehren der Preisträger. Wer diesen Live-Stream verpasst hat, kann dies gerne nachholen. Die Preisverleihung ist weiterhin im Mitgliederbereich der Webseite und auch – für alle öffentlich – im Newsbereich auf bdfa.de zu sehen. Ein Direktlink führt zum Video. 

In diesem Newsletter stellen wir alle Preisträger der 79. Deutschen Filmfestspiele mit der jeweiligen Laudatio vor. 

Eine informative Lektüre wünscht 
Eure Newsletter-Redaktion 
Hans-Werner Kreidner

 
 
 

In einem vielseitigen, abwechslungsreichen Programm waren 43 ausgewählte Filme mit unterhaltsamen, spannenden und berührenden Geschichten zu erleben.   
 
Die DAFF-Gesprächsrunde, geleitet von Jürgen Richarz, setzte sich erstmals auch aus  international hochkarätigen Juroren zusammen: Jacqueline Pante (Italien), Thomas Schauer (Österreich) und Dr. Helmut Ludwig (Deutschland) hatten alle Filme sehr kompetent diskutiert und würdigten zur Preisvergabe sieben herausragende Filme mit persönlichen Laudationes, drei Dokus und vier fiktionale Filme. 

Online-Filmdiskussion. Die Gesprächspartner: Dr. Helmut Ludwig (l. oben),
Thomas Schauer, Jacqueline Pante und Jürgen Richarz (r. oben). 

Die ausgezeichneten Filme drehen sich um Auswirkungen des Klimawandels, eine besondere Familientradition und die eines Kulturgutes, die Lebensgeschichte eines genialen Erfinders, digitale Parallelwelten, Einsamkeit und Verlust, suchende Selbsterforschung, Manipulation sowie um Vorurteile und Toleranz.    

Die höchste Auszeichnung unseres Verbandes, den BDFA-Filmpreis - gewannen:
Erich Heucke (Einzelmitglied aus Grafing bei München), Manfred Hennig (Videofilmer Senftenberg e.V.), Franz Lammel (Mönchengladbacher Filmklub „Objektiv“ e.V.), Matthias Spehr (mittlerweile Einzelmitglied aus Rostock), Hans Höpfner und Pablo Ferdinando Mattarocci (FILMthuer e.V.) und Marcus Siebler (Film- und Videoclub Landshut). 

DAFF-Preisverleihung virtuell im Filmlook. Marcus Siebler, Adalbert Becker und Sarah Schönacher an der „Bar der Obelisken“ im Film-Café des Herzog-Filmtheaters Schrobenhausen. 
 

DAFF-Filme und Gesprächsrunde sind eine
Woche länger
online im Mitgliederbereich!
 

Bis zum 15. August (im Mitgliederbereich auf www.bdfa.de) gewährt der BDFA allen Mitgliedern, die den einen oder anderen Film gern noch einmal sehen möchten oder die Gesprächsrunden der Jury bisher nicht erleben konnten, exklusiv diese Möglichkeit. Am 16.8. wird die Seite von der Festivalplattform aus dem Netz genommen.

Die Preisverleihung der 79. Deutschen Filmfestspiele des BDFA ist weiterhin für alle öffentlich über diesen Direktlink (auf das Wort Direktlink bitte klicken) zu sehen. Die Ergebnisse in schriftlicher Form finden Sie hier als PDF (auf das Wort PDF bitte klicken) auf der BDFA-Webseite.

 
 
 
 
3 Grad plus!
Eindrücke vom
Klimawandel im Kaukasus

von Erich Heucke (Grafing)
Selten war ein Thema so relevant wie dieses – vom Autor dennoch nicht gewählt, um den Puls der Zeit zu treffen, sondern aus dem simplen Anlass persönlicher Eindrücke. Und so schildert uns dieser Film eigene Beobachtungen des Klimawandels ohne zu werten, aber ausdrücklich, um Veränderungen in der Natur zwischen zwei Besuchen 2008 und 2019 festzuhalten. Dem Autor gelingt es, uns seine eigenen Erfahrungen und die Atmosphäre durch Bild, Kommentare sowie eine sorgsam eingesetzte Tonspur unmittelbar und persönlich zu vermitteln. Die Themenwahl vom eigentlichen Grund der Mission über Erlebnisse währenddessen bis hin zu den selbst beobachteten Auswirkungen des Klimawandels, mitunter mit verheerenden Folgen, fesselt den Betrachter von Anfang bis Ende – nicht reißerisch, sondern mitreißend und authentisch.  Laudator: Thomas Schauer
 
MANNKIN

von Pablo Ferdinando Mattarocci (Jena),
Moritz Melms
Ein Mann mittleren Alters. Ein kleines Mädchen. Eine Hütte am Rande der Stadt und ein Wunsch. Es reicht sehr wenig, um Dichte zu erzeugen. Hier sind es ein ausdrucksvoller Schauspieler, die Enge der Einstellungen und der gekonnte Einsatz der Geräusche. Der Zuschauer erspürt durch die Töne die Gemütslage der Darsteller, er teilt mit ihnen die Einsamkeit, in der sie beide stecken, und leidet mit dem Darsteller beim Versuch, eine Beziehung, eine Verbindung aufzubauen, die Familie wieder zu kitten. Auch der x-te Versuch scheitert, je größer die Geschenke desto desinteressierter das Kind, umso größer die Wut, die ausgelassen werden muss. Ein intensives Rollenspiel um Einsamkeit und Verlust, für beide.  Laudatorin: Jacqueline Pante
 
Die Puppen-
spieler kommen


von Manfred Hennig
(Bad Liebenwerda)
Ein dokumentarischer Film, der sich auf mehreren Zeitebenen bewegt: Wir beobachten zwei Generationen, wie sie bei der Arbeit aus ihrem Leben berichten. Dabei liegen die Aufnahmen mehrere Jahrzehnte auseinander. Der Film verbindet diese Zeitebenen durch eine kluge Montage. Da passen die Interview-Sequenzen der Gegenwart harmonisch zu denen der 80er-Jahre – und dies sowohl auf der Bildebene als auch auf der Tonebene. Wir erfahren, wie sich die Zeiten geändert haben, dabei aber der grundlegende Charakter des Theaters erhalten wurde. Diese Dokumentation ist mehr, als eine persönliche Geschichte: Wir erhalten eine Innenansicht in die Tradition des Puppentheaters und können so dessen kulturelle Bedeutung würdigen. In ihr spiegelt sich die gesellschaftliche Entwicklung der letzten 100 Jahre: Von den handschriftlichen Aufzeichnungen der Großeltern, über die Einflussnahme des DDR-Staates bis hin zur Fortführung der Familientradition in der Gegenwart.  Laudator: Jürgen Richarz
 
Holey Ground

von Matthias Spehr (Rostock), Noemi Clerc
 
Der Film besticht durch eine Fülle von zunächst scheinbar zusammenhanglosen Inszenierungen in verschiedenen Aktionsräumen: Wald, Strand (Naturwelt), Waschsalon (Technikwelt), Theater mit Bühne und Zuschauerraum (Kunstwelt), wobei die Übergänge bei Raumwechsel konsequent szenisch-choreographisch gestaltet sind. Immer wiederkehrende symbolische Elemente sind: Häutung (Ausziehen, Waschen – aus der alten Haut schlüpfen, die neue ausprobieren – Maske und Kostüm), Phasen von Frieren und schutzbedürftiger Nacktheit, Beschmutzen und Reinigung, Versuche zu greifen und zu begreifen, Bereitschaft sich zu öffnen, sich hinzugeben – auch mit dem Risiko, Halt zu verlieren, verletzt zu werden. Das Verbindende ist die suchende Selbsterforschung, Beobachtung und Selbstbeobachtung mit fragenden Augen. Wo finde ich Antworten auf die fundamentalen Fragen: wer bin ich, was entdecke ich in mir, was muss ich abwerfen, und in welche Rollen, an welche Orte muss ich mich noch begeben, wo finde ich Wärme und Geborgenheit.  Der Film zeigt einen Menschen auf der Suche nach sich selbst und seiner emotionalen Heimat. Die sehr kreative und konsequent strukturierte Gestaltung bietet ein großartiges Angebot an Assoziationsmöglichkeiten. Das intensive Schauspiel, Mimik, Gestik, Körperausdruck und Pantomime, die gewählten Sets, die Kameraführung, der Einsatz von Naturgeräuschen und Musik, ziehen den dafür bereiten Zuschauer gedanklich und emotional in den Bann und lassen ihn voller Empathie zurück.
Laudator: Dr. Helmut Ludwig
 
schreibt…

von Hans Höpfner (Merseburg),
Lukas Hildebrand
 
So schön die Möglichkeiten der digitalen Welt sind, so viele neue Herausforderungen tun sich gleichzeitig mit ihr auf. Für junge Menschen heißt das, sich nicht nur in der realen Welt den Schwierigkeiten des Heranwachsens stellen zu müssen, sondern gleichzeitig auch jederzeit in der digitalen Parallelwelt bestehen zu müssen. Wie unmittelbar und hart diese Ebene sein kann, erleben wir in diesem Film auf eindrucksvolle Weise. Wenn sich die beiden Welten unvermeidbar vermischen, wird es noch komplizierter. Neben der Wahl des anspruchsvollen Themas beeindruckt der Film vor allem durch die brillante Umsetzung eines Chats im realen Klassenzimmer, mit eindrucksvollen Stilmitteln und Akzenten, aber auch hervorragender Schauspiel-Leistung. Die spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema und der Spaß der jungen Menschen an der Umsetzung kommen unmittelbar bei uns an.  Laudator: Thomas Schauer
 
Ohne Badeofen
kein Flugzeug


von Franz Lammel (Mönchengladbach)
Ein Filmtitel, der neugierig macht. Manchmal fragen wir uns, wie und warum ein Gegenstand des alltäglichen Gebrauchs überhaupt erfunden wurde bzw. entstanden ist. Was heute selbstverständlich und Teil des Alltags ist, birgt spannende Geschichten. Dieser dokumentarische Film webt gekonnt sorgfältig ausgesuchtes historisches Material zusammen, erzeugt Spannung und Neugierde. Er stellt einen Menschen, einen Erfinder in den Vordergrund, der durch seinen steten Erfindungshunger die deutsche und internationale Wirtschaft und die Lebensqualität der Menschen geprägt hat. Der frische, stimmungsvoll und nuancenreich gesprochene Kommentar, gekonnt von einer weiblichen Stimme vorgetragen, verleiht dem Film einen zusätzlichen Schwung, der den Zuschauer mitträgt. Die sparsam eingesetzte Musik macht das Bild einiger deutschen, heute weltweit bekannten Marken, komplett.  Laudatorin: Jacqueline Pante
 
SINNLOS

von Markus Siebler 
(Petershausen)
 
In dem Film wird das Hauptthema eingebettet in eine alltägliche Kneipenszene als Rahmenhandlung, die simple Welt der Normalos. Die Szene wird unterbrochen durch eine attraktive Frau, die aus einer im Nebenraum laufenden Veranstaltung auftaucht und das spontane männliche Interesse des Gastes hervorruft, frei nach Hegel „Das Wesen erscheint und die Erscheinung wird wesentlich“. Die attraktive Erscheinung der Frau wird zum Gegenstand einer Wette, die den Gast in den Veranstaltungsraum verschlägt. Damit wird auch der Zuschauer in die Haupthandlung geführt. Dabei geht es um sublime Kritik an Politik, Medien und anderen Kräften, die die Menschen mit immer weniger nachvollziehbaren Regeln und Indoktrinationen dazu bringen wollen, nicht alle Seiten mehr zu hinterfragen. Durch diese Manipulation sollen sie ihre gewohnten Gewissheiten aufgeben und einem nicht logisch begründbaren Empfinden folgen und somit besser kontrollierbar sein. Zunächst führt dies zu Scheinerfolgen unter dem Beifall der bereits gefügig gemachten Gesellschaft. Aber letztlich birgt es die Gefahr, in der Realität zu scheitern. Durch ein Drehbuch mit geschliffenen Dialogen, eine großartige Leistung von Regie, Schauspielern, Lichtsetzung und Kamera, wird der schwergewichtige Inhalt adäquat umgesetzt. Die gute Dosierung von Spannung und Unterhaltung erhöht die Aufmerksamkeit des Zuschauers und erzeugt eine noch nachhaltigere Wirkung.  
Laudator: Dr. Helmut Ludwig
 
Aslama

von Richard Wilde (Landshut)


BDFA-Special-Award „Unforgettable“
 
Sucht man nach einer Definition des Kammerspiels, stößt man mitunter auf folgende Interpretation: „Kammerspiele haben in der Regel eine psychologische Ausrichtung und legen ihren Schwerpunkt auf die Wirkung der Gespräche zwischen den Figuren.“ 
Der Film, den wir hiermit auszeichnen, ist ein geradezu klassisches Kammerspiel. Intimer Rahmen: Freunde kochen, scherzen und erwarten ein gemeinsames Abendessen. Das Setting ist karg, keine Dekoration oder sonstiger Schnickschnack lenken ab, worauf es dem Filmemacher wirklich ankommt: Die Wirkung der Gespräche zwischen den Figuren. Und die haben es in sich. Alle fünf Beteiligten, herausragend gespielt, sind Teil einer gespaltenen Gesellschaft. Da sind die Hardliner, da sind die Gemäßigten, da sind die, über die man nicht so recht weiß, was sie denken. Da sind die schwarz-weißen Themen, in denen es keine Grauzonen mehr gibt und die man besser vermeidet, wenn man keinen Ärger haben will. Ein Mikrokosmos, der uns zurücklässt mit der Wirkung der Gespräche. Gespräche, die nachhallen, Gespräche, die bleiben, Gespräche, die spalten. 
Laudator: Marcus Siebler
 
DAFF-Publikumspreis
(Sieger der Publikumswertung):
 
1. Ohne Badeofen kein Flugzeug / 25,42 %Franz Lammel (Mönchengladbach)
2. IN DER ÄGYPTISCHEN WÜSTE Teil A / 18,64 %von Hansueli Holzer (Stein am Rhein)
    3 Grad plus! Eindrücke vom Klimawandel im Kaukasus / 18,64von Erich Heucke (Grafing)
4. Die Puppenspieler kommen / 16,95von Manfred Hennig (Bad Liebenwerda)
5. Den Waldameisen auf der Spur / 15,25 %von Reinhard Voss (Waren/Müritz)
    Berührbares Indien / 15,25 %von Michael Preis (Dortmund)             
 
Bester Minutenfilm
(Sieger der Publikumswertung):
 
1. Murphys Gesetz / 44,78 % / von Dr. Walter Baust (Kronberg)        
2. Wurst wider Wurst / 37,31 %von Wolfgang Merz (Roetgen)        
3. Ausgebucht / 28,36 %von Dr. Walter Baust (Kronberg)                
4. Das Versprechen / 20,90 %von Peter Schellhorn (Frankfurt a.M.)
    Töchterchen / 20,90 % / von Dr. Frank Dietrich (Senftenberg)
6. Alexa  / 19,40 %von Michael Franke (Großräschen)                      
 

MinutenKunstPreis
East Side
von Bernhard Zimmermann (Düsseldorf)
 


Herzlichen Glückwunsch
allen teilnehmenden Filmemacherinnen und Filmemachern sowie allen Preisträgern, die in Kürze Post vom BDFA erhalten werden. 


Ausführliche Berichte über
die DAFF in der kommenden
Ausgabe der film&video!


Das Heft 3/21 erscheint Ende September 2021.
 

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